Mordfall Susanna: Ali B. muss für Zeugenbefragung Saal verlassen

Die Arme vor dem Körper verschränkt, die Augen zu Boden gerichtet - ein Zeuge antwortet im Susanna-Prozess zunächst nur stockend. Erst als der Angeklagte aus dem Raum gebracht wird, ändert sich das. Der angeklagte Ali B. im Mordfall Susanna hat am Donnerstag die Verhandlung im Saal des Wiesbadener Landgerichts verlassen müssen, weil er womöglich einen wichtigen Zeugen einschüchterte. 

Der laut Staatsanwaltschaft mindestens 14 Jahre alte Zeuge hatte bei der Suche nach der verschwundenen Susanna den entscheidenden Hinweis auf den Fundort ihrer Leiche und auf Ali B. gegeben. Er hatte sich erst an die Behörden gewandt, nachdem sich Ali B. mit seiner Familie in den Nordirak abgesetzt hatte. Bei den damaligen Befragungen hatte er der Polizei gesagt, Angst vor der Familie B. zu haben. In einem weiteren Verfahren, bei dem es um die Vergewaltigung einer Elfjährigen geht, sitzen Ali B. und der junge Zeuge gemeinsam auf der Anklagebank.

Als Zeuge im Susanna-Prozess beantwortete der Jugendliche die Fragen des Richters erst zögerlich. Erst als der 22-Jährige den Gerichtssaal verlassen hatte, redete der Jugendliche fließender. Ali B. habe Susanna bei mehreren Gelegenheiten vor der Tat "befummelt", das Mädchen habe Angst vor dem Angeklagten gehabt, erzählte der Zeuge. Bei einer Busfahrt habe Ali B. zu ihm gesagt, dass er Susannas Körper sehr anziehend fände. Sollte sie nicht mit ihm schlafen, dann brächte er sie um, berichtete der Zeuge aus dem Gespräch mit dem Angeklagten.

Hintergrund

Der irakische Flüchtling Ali B. soll die Schülerin Susanna aus Mainz im Mai 2018 in Wiesbaden vergewaltigt und ermordet haben. Zum Prozessauftakt hatte er gestanden, das Mädchen getötet zu haben. Die Vergewaltigung bestreitet er.

Der Prozess wird am 2. April fortgesetzt. Dann sollen vier Mädchen aus dem Bekanntenkreis von Susanna als Zeugen gehört werden. Für den darauffolgenden Prozesstag am 3. April plant das Gericht ebenfalls, vier jugendliche Zeugen zu befragen.

 

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