Prozessauftakt in Wiesbaden: Ali B. gesteht Tötung an Susanna F. vor Gericht

Am 12.03.2019 veröffentlicht

Der 22-jährige Ali B. musste sich am heutigen Dienstag wegen Mordes an der Schülerin Susanna F. vor dem Landgericht Wiesbaden verantworten. Laut Staatsanwaltschaft hat der Angeklagte die 14-jährige Mainzerin im Mai 2018 in Wiesbaden-Erbenheim vergewaltigt und anschließend heimtückisch ermordet. Der erste Prozesstag endete am frühen Nachmittag. Der nächste Termin ist für den 18. März 2019 angesetzt. Dann soll auch die erste Zeugin geladen werden.

Vor Gericht zeigte sich der 22-jährige Ali B. reumütig. "Ich bereue alles", sagte er am Mittag in Wiesbaden. Das Gefängnis würde irgendwann vorbei sein, der Schmerz aber würde bleiben. B. entschuldigte sich auch bei Susannas Eltern; er wisse aber, dass eine Entschuldigung nichts wieder gut mache. Ihm sei nicht bewusst gewesen, was er da tue. Die Zuschauer im Saal nehmen ihm das wohl nicht ab, ein sarkastisches "Ooooh" geht durch die Reihen. Nebenklageanwältin Petra Kaadtmann, die Susannas Mutter vertritt, sieht das ähnlich: "Die Entschuldiung war nicht ehrlich. Wenn man es ernst mein, dann schaut man sich in die Augen", so Kaadtmann.

Der an Tag, an dem Susanna F. starb

Am Dienstagmittag äußert sich Ali B. außerdem zum 22. Mai 2018, dem Tag von Susannas Tod. Tagsüber habe B. Zuhause  aufgeräumt, später traf er sich mit Susanna zu einem Spaziergang. Später wurde noch mit der Familie von Ali B. gegessen. Gemeinsam mit einem Freund trafen sie sich in der Unterkunft, es wurde Alkohol getrunken. Als Susanna nach Hause wollte, bot B. an, sie zum Bahnhof zu begleiten. Auf dem Weg dorthin soll es dann zu einvernehmlichen Sex gekommen sein. Bei den Gleisen folge dann eine Auseinadersetzung, die der Angeklagte wie folgt schildert: "Es wurde vor meinen Augen schwarz, dann kam es zu diesem Ereignis. Ich weiß nicht, wie das geschehen konnte", sagte der 22-Jährige am Dienstag vor dem Wiesbadener Landgericht laut Übersetzung des Dolmetschers. Anschließend habe er geschaut, ob das Mädchen noch am Leben ist, aber keinen Puls mehr gefühlt. Daraufhin habe er ein Erdloch ausgehoben und Susannas Leiche vergraben. 

Ali B. spricht über sein Frauenbild

Ali Bashar spricht vor Gericht über seinen Drogen- und Alkoholkonsum: Gelegentlich Marihuana, mehrmals die Woche haben sie Alkohol getrunken. Ein Gespräch zwischen Ali B. und einer psychiatrischen Sachverständigen ist ebenfalls Thema. Dabei ging es um die Frage, wie sich der Angeklagte eine "gute" Frau vorstelle. Die Antwort damals: Sie dürfe nicht arbeiten, solle putzen und kochen, dürfe keinen Kontakt zu anderen Männern haben, abends nicht raus und müsse noch Jungfrau sein. Außerdem sei es schlecht, dass der Mann in Deutschland und in Europa nichts zu sagen hatte. Die sei aber lediglich eine Feststellung gewesen, wie es in seiner Heimat überlich wäre, und nicht seine eigene Meinung. 

So verlief die erste Zeit in Deutschland für Ali B.

Vor Gericht erzählt Ali B. von seiner Kindheit im Irak und der Zeit in Deutschland. Zwei Mal sei er in der Schule sitzen geblieben, er brach ab und fing an zu arbeiten. Im Oktober 2015 reist er mit seiner Familie über die Türkei und Griechenland nach Deutschland ein. Die erste Station war Berlin, danach eine Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen, von dort aus kam er nach Mainz und letztlich im April 2016 nach Wiesbaden.

In der dortigen Unterkunft teilte er sich ein Zimmer mit seinem Bruder. Einen Deutschkurs besuchte er zwar, schaffte es aber nicht, diesen abzuschließen. Deutsche habe er erst in der Haft gelernt (Seit dem 10. Juni 2018 sitzt er in Untersuchungshaft in der JVA Frankfurt-Preungesheim). B. erzählt auch von seinem Alltag: Er habe mal eine Freundin hier gehabt, eine Russin. Ihm wurde gesagt sie sei 16, es stellte sich heraus, dass sie erst 13 war.

Hintergrund: Der Fall Susanna

Am 6. Juni 2018 wurde in Wiesbaden die Leiche der 14-jährigen Susanna gefunden. Neun Monate später muss sich nun ihr mutmaßlicher Mörder vor Gericht verantworten. Der Fall hatte für großes Aufsehen und eine gesellschaftliche und politische Debatte gesorgt, auch weil der irakische Flüchtling Ali B. kurz nach der Tat mit seiner Familie in den kurdisch kontrollierten Nordirak ausreiste. Dort wurde er von Sicherheitsbeamten gefasst und der Bundespolizei übergeben. Seine Flucht vor der deutschen Justiz dauerte gerade einmal eine Woche. 

Laut Anklage hat Ali B. in der Nacht vom 22. zum 23. Mai 2018 die Susanna in einem Feld zum Sex gezwungen. Als die 14-Jährige danach drohte, zur Polizei zu gehen, habe er sie von hinten angegriffen und erwürgt. Anschließend habe er mit einer weiteren, bislang unbekannten Person ein Erdloch ausgehoben und die Tote vergraben. Von dem Handy des Opfers aus soll er eine Nachricht an die Mutter von Susanna geschrieben haben, um sie glauben zu lassen, die Tochter sei in Paris.

Seit 10. Juni sitzt Ali B. in Frankfurt in Untersuchungshaft. In Vernehmungen hatte er gestanden, Susanna getötet zu haben. Die Vergewaltigung bestritt er.

Großer Andrang vor Gericht

Der Auftakt der Verhandlung wurde von zahlreichen Kamerateams und Journalisten begleitet. Vor dem Zuschauereingang bildete sich eine lange Schlange. Das Gericht hatte die Sicherheitsvorkehrungen zum Prozess verschärft, die Polizei war mit mehreren Einsatzwagen vor Ort. Vor dem Gebäude versammelten sich rund ein Dutzend Menschen zu einer Mahnwache.

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