Ali B. und Komplize schuldig: Urteil im Vergewaltigungs-Prozess

Am 31.10.2019 veröffentlicht

Ali B. wurde bereits im vergangenen Juli zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass er die 14-jährige Susanna vergewaltigt und ermordet hatte. Am Donnerstag stand er in einem weiteren Verfahren mit dem 15-jährigen Mansoor Q. erneut vor Gericht. Dieser hatte im Susanna-Prozess wichtige Hinweise an die Polizei gegeben, die letzten Endes zu Ali B.s Ergreifung geführt hatten. Beide wurden zu mehreren Jahren Haft verurteilt.

Mansoor Q. war der wichtigste Zeuge im Prozess um den Mord an Susanna. Er hatte der Polizei wichtige Hinweise gegeben, die die Beamten schließlich auf Ali B. brachten. Nun wurde der Jugendliche selbst verurteilt – mit ihm auf der Anklagebank saß Ali B.

11-Jährige wurde mehrfach vergewaltigt

Am 27. April vergangenen Jahres soll Ali B. eine Elfjährige in sein Zimmer in der Asylunterkunft gelockt, eingeschlossen und vergewaltigt haben. Auch Mansoor Q. soll sich an ihr vergangen haben. Zwischen Ende April und Mitte Mai vergangenen Jahres soll Q. gemeinsam mit dem Bruder von Ali B. die Elfjährige in einem Waldstück in Wiesbaden-Medenbach vergewaltigt haben. Zu diesem Zeitpunkt war Ali B.s Bruder 13 Jahre alt – und somit strafunmündig. Außerdem sollen Ali B. und Mansoor Q. wenige Tage später das Mädchen in der Nähe eines Supermarkts im hessischen Erbenheim nacheinander vergewaltigt haben.

Nun hat das Wiesbadener Landgericht Ali B. zu sieben Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Mansoor Q. erhält eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten.

Der Tag, an dem Susanna starb

Am 22. Mai 2018 klingelte gegen 21.30 Uhr das Telefon von Diana Feldmann. Ihre Tochter meldete sich am anderen Ende der Leitung – an dem Abend, an dem sie getötet wurde. Susanna sagte zu ihrer Mutter, dass der Bus später kommt und fragte, ob sie nicht bei einer Freundin im hessischen Mainz-Kastell übernachten könnte. Ihre Mutter antwortete, es sei in Ordnung. "Das ist der Fehler, den ich mir bis heute nicht verzeihen kann", sagt Diana Feldmann und bricht in Tränen aus.

Statt bei einer Freundin zu übernachten, war Susanna bei Ali B. Als sie nach Hause wollte, bot dieser ihr an, sie zum Bahnhof zu begleiten. Auf dem Weg dorthin soll es dann zu einvernehmlichen Sex gekommen sein, schildert der mittlerweile Verurteilte Anfang des Jahres. Bei den Gleisen kam es dann zu einer Auseinandersetzung. "Es wurde vor meinen Augen schwarz, dann kam es zu diesem Ereignis. Ich weiß nicht, wie das geschehen konnte", so der 22-Jährige. Anschließend habe er geschaut ob das Mädchen noch am Leben ist, aber keinen Puls mehr gefühlt. Dann habe er ein Erdloch ausgehoben und Susannas Leiche vergraben.

"Ich hätte ihr alles verziehen – Hauptsache sie kommt zurück"

Als Susanna nicht auftaucht, begibt sich ihre Mutter selbst auf die Suche nach ihr. "Von Anfang an hat mein mütterliches Bauchgefühl gesagt: Es ist etwas passiert. Doch die Hoffnung hat weitergelebt. Ich hätte ihr alles verziehen – Hauptsache sie kommt zurück", erzählt Diana Feldmann. Doch dann bekommt sie wenige Wochen danach einen Anruf: Ihre Tochter Susanna liegt tot in Erbenheim. "Ein Teil von mir ist auch gestorben, weil ich meine Kleine nicht mehr habe", sagt Diana Feldmann unter Tränen.

Die Einsatzkräfte waren nach dem Verschwinden von Susanna durch einen Zeugenhinweis auf das Versteck mit dem toten Mädchen gestoßen. Bei dem Hinweisgeber handelte es sich um den am Donnerstag verurteilten Mansoor Q. Der 14-Jährige war mit Ali B. in der gleichen Flüchtlingsunterkunft. Zwischenzeitlich reiste B. mit seiner Familie in den kurdisch kontrollierten Nordirak. Dort wurde er von Sicherheitsbeamten gefasst und der Bundespolizei übergeben. Seine Flucht vor der deutschen Justiz dauerte gerade einmal eine Woche. Ab dieser Zeit saß er in Deutschland in Untersuchungshaft.

Ali B. zu lebenslanger Haft verurteilt

Zum Prozessauftakt im März dieses Jahres gestand Ali B. die 14-jährige Susanna getötet zu haben, eine Vergewaltigung bestreitet er bis heute. Am 10. Juli 2019 fiel dann das Urteil: Ali B. wurde vom Wiesbadener Landgericht zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Richter stellten zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren ist damit für den irakischen Flüchtling so gut wie ausgeschlossen.

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